Mehrwertsteuersystem in der EU, Corona

Irland senkt Mehrwertsteuer temporär ab

Um die Wirtschaft anzukurbeln, Unternehmen zu unterstützen und gegen die Arbeitslosigkeit in Folge der Corona-Pandemie vorzugehen, stellten irische Regierungsvertreter am 23. Juli ein Konjunkturprogramm vor. Ebenso wie in Deutschland überraschte die irische Regierung mit der Ankündigung, den Normalsatz der Mehrwertsteuer vorrübergehend ab September für sechs Monate zu senken. Der Mehrwertsteuernormalsatz gilt in Irland für eine breite Palette von Waren und Dienstleistungen, beispielsweise für den Verkauf von Erwachsenenbekleidung, Elektrogeräten, den meisten Haushaltswaren und vielen elektronischen Dienstleistungen. Es handelt sich um die erste Anpassung des irischen MwSt.-Normalsatzes seit 2012; damals wurde der Satz von 21% auf 23% erhöht.

Die Reduzierung des Normalsatzes für sechs Monate erfordert für die Mehrheit der irischen Unternehmer, ihre Shop- und Handelssystemen anzupassen – oft mit hohem Aufwand. Onlinehändler anderer Länder, die ihre Waren auch nach Irland exportieren, müssen den neuen gültigen Mehrwertsteuersatz berechnen und die Steuern korrekt an die irischen Behörden abführen. Dabei gilt es zu beachten, dass der ermäßigte Mehrwertsteuersatz weiterhin 13,5 % beträgt. So werden für viele Angebote im Tourismus- und Gastgewerbe, aber auch für bestimmte Lebensmittel, einige pharmazeutische Produkte und Bücher keine Veränderungen fällig.

Bereits die Mehrwertsteuersenkung in Deutschland machte auf eine wichtige Funktion von ClearVATs VAT Engine aufmerksam: Temporäre Änderungen wie nun auch in Irland werden automatisch in die Shops oder Systemlandschaften der Händler übertragen. Manuelles Eingreifen entfällt. ClearVATs zertifizierte Datenbank kennt nicht nur sämtliche in der EU geltenden Mehrwertsteuersätze und Ausnahmeregelungen, sondern hält diese fortwährend aktuell.

Für Onlinehändler, die in Irland ihre Waren vertreiben und zum Juli bereits die reduzierten deutschen Mehrwertsteuersätze aktualisieren mussten, bedarf es erneut einer Anpassung ihrer Shopsysteme. Zum Januar bzw. März sind die Händler verpflichtet, dann wieder alles zurückzudrehen. Weitere Länder und Steuersenkungen könnten in den nächsten Monaten folgen, und das Spiel beginnt von vorn.

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